Der Fragebogen für webDesigner - Guru 2.0
Der Fragebogen für webDesigner

Der Fragebogen für webDesigner

Verzweiflung! Kain grämt sich über Abels Tod, Statue in den Tuillerien von Paris, Foto: microble.eu

Verzweiflung!

Kain grämt sich über Abels Tod, Statue in den Tuillerien von Paris, Foto: microble.eu

Bei FreelanceSwitch habe ich einen guten Fragebogen zum Thema Webdesign gefunden. Gerade am Anfang der Karriere stellt man sich oft die Frage, wie kriege ich heraus was der Kunde will? Dazu kann eine CheckListe, ein Fragebogen von Profis helfen. Ich habe mal die Liste übersetzt, auf unseren Sprachraum angepasst und mit eigenen Erfahrungen angereichert.

Die besten Fragen gehen in die Richtung:

  • Was soll die webSite für die Geschäfte des Kunden bewirken?
  • Wie soll die webSite aussehen?
  • Welchen Mehrwert bringt die webSite der Zielgruppe des Kunden?

Die Fragen an Deinen Kunden:

  1. Warum wollen Sie eine neue webSite oder ein Redesign der bestehenden?
    Damit erfährst Du warum der Kunde Dich kontaktiert hat.
  2. Was passiert wenn Sie keine neue webSite haben oder mit der bestehenden weiterarbeiten?
    Mit dieser Frage geht es bereits zum Kern der Sache. Du erfährst hier Dinge wie fehlende Browserkompatibilität oder Erweiterung um einen neuen Bereich (zum Beispiel eCommerce) oder einfach die Site an die aktuellen Design-Standards anzupassen.
  3. Beschreiben Sie Ihr Unternehmen in ein paar Sätzen.
    Das kann jetzt nur Smalltalk sein, denn jeder spricht gerne über sich und sein “Kind”. Oder es kann aber auch der Inhalt des Meta-Tags description sein. Oder auch der “Anreisser-Text” auf der Startseite. Also brav mitnotieren zur späteren Verwendung.
  4. Was ist der spezielle Nutzen, den Ihr Unternehmen für die Kunden erbringt?
    Damit erfährst Du etwas über die Kunden und wie mit ihnen umgegangen wird. Wenn Du gut vorbereitet bist und bereits Recherchen zum Kunden betrieben hast, kannst Du ihm vielleicht unter die Arme greifen. Du erfährst hier aber auch einiges über die Firmenkultur.
  5. Warum sollten Kunden mit Ihnen und nicht mit dem Mitbewerb zusammen arbeiten?
    Denke daran, dass der Mitbewerb im Web nur einen Klick entfernt ist. Daher ist die webSite einem starken Vergleich ausgesetzt und muss der Zielgruppe im Gedächtnis bleiben. Du erfhährst hier etwas über den Hintergrund Deines Kunden. Wie lange ist er schon in der Branche tätig? Das kann seine Zielgruppe interessieren, denn viele arbeiten lieber mit einem erfahrenen Lieferanten zusammen, wie mit einem Neuling.
  6. Haben Sie einen Slogan oder eine Vision, welche sich in 3, 4 Worten ausdrücken lässt?
    Es ist nicht wichtig einen Slogan zu haben oder schlimm wenn er fehlt. Es kann auch ein ganz einfacher Spruch wie “Wir bringen’s zum Laufen!” sein, aber stimmen muss er!
  7. Beschreiben Sie ihre potentiellen Kunden. Achten Sie besonders auf die Bereiche Einkommen, Alter, Geschlecht, Interessen und Erfahrung mit IT.
    Die Antworten auf diese demographische Frage wird dich vielleicht überraschen. Viele Unternehmen habe sehr genaue Daten über Ihre Kunden. Auf der anderen Seite musst Du ihm vielleicht helfen und die Analyse aus der Zielgruppe selbst durchführen, in dem Du einige Recherchen durchführst.
  8. Wie hoch ist das Budget für dieses Projekt?
    Auf diese Frage kannst Du entweder gar keine Antwort erhalten, weil sich Dein Kunde noch keine Gedanken gemacht hat. Oder Dein Kunde will nichts dazu sagen, da er Angst hat, dass Du dass Budget dann ausnützt. Auf jeden Fall solltest Du dann dem Kunden eine Preisspanne nennen. Du kannst ruhig den oberen Rahmen für eine ideale Version nennen. Es ist wichtig, dass Dein Kunde bereit ist, Deine Leistungen zu bezahlen. Lass Dich auf keinen Fall zu einem nicht kostendeckenden Stundenlohn hinreißen (siehe auch unseren Freelance-Rechner).
  9. Wer ist der Entscheidungsträger für dieses Projekt und wie lange dauert es eine Entscheidung zu erhalten?
    Ideallerweise ist dies bereits Dein Gesprächspartner. Es ist für Dich unangenehm wenn Du nur mit einem Assistenten sprichst, der alles an seinem Vorgesetzten berichten muss und dann auf eine Entscheidung warten muss. Dies kann zu wochenlangen Prozessen führen. Versuche auf jeden Fall einen Entscheidungsträger an den Tisch zu bekommen.
  10. Wie sieht das Team aus? Welche Rollen haben die einzelnen Mitglieder? Ist vielleicht ein webMaster im Team?
    Oft wirst Du es mit einer Gruppe von Angestellten deines Kunden zu tun haben. Dies ist nicht schlecht, denn mehrere Sichtweisen können ein Projekt vorantreiben. Aber die Schwierigkeit dabei ist, dass jedes Teammitglied seine eigenen Ziele verfolgt und auch durchsetzen will. Daher ist es wichtig, dass Du einen Ansprechpartner hast, welcher Dir “Aufträge” erteilt und dem Du berichtspflichtig bist. Alle Machtkämpfe im Team müssen beim Kunden bleiben und Du darfst nicht involviert werden. Sei beim “webMaster” vorsichtig. Es kann sein, dass es eine Person ist, welche einfach eine langjährige IT-Erfahrung hat oder der neue Mitarbeiter, der es einfach in der Arbeitsplatzbeschreibung stehen hat. Versuche herauszufinden, welche Erfahrungen der “webMaster” wirklich hat.
  11. Wie ist die Deadline für das Projekt?
    Es gibt immer wieder die Fälle, wo die webSite “gestern” fertig sein sollte. Dies gibt Dir die Chance zu zeigen, dass gutes Design seine Zeit braucht und nur sorgfältig erarbeitete webSites auch den gewünschten Erfolg bringen.
  12. Nennen Sie fünf webSite die sie gerne benutzen? Warum sind es gerade diese fünf?
    Sei nicht überrascht wenn Du mehr als fünf Antworten und auch noch genaue Beschreibungen dazu erhälst. Auf jeden Fall ist dies einer der einfachsten Wege um herauszufinden, was Dein Kunde von seiner eigenen webSite erwartet.
  13. Haben Sie bereits Sites des Mitbewerbers analysiert, so dass sie wissen was sie brauchen und was sie auf keinen Fall haben wollen?
    Dies ist oft sehr überraschend. Manche Mitbewerber plaudern wirklich alles aus und andere sind verschlossen wie eine Auster. Hier ist es wichtig die richtige Mischung für Deinen Kunden zu finden. Was will er sagen und zeigen und was soll ein Geheimnis bleiben.
  14. Was wollen Sie auf keinen Fall auf Ihrer webSite darstellen (Bilder, Texte, …)?
    Die Antowrt hängt von der Unternehmenskultur ab. Manche Firmen haben sehr locker geschriebene Texte, andere sehr trocken und technisch angehauchte Text. Das eine Unternehmen will Bilder von den Mitarbeitern im web darstellen, andere wieder nicht.
  15. Woher kommt der Inhalt der webSite? Wer ist dafür verantwortlich und muss der Inhalt noch überarbeitet werden?
    MEistens wird Dein Kunde dir Texte aus den Katalogen und Prospekten anbieten. Hier musst Du genau darauf achten, ob diese Texte auch für das web geeignet sind. Falls nicht und Du kannst sie selbst umschreiben, ist es gut und Du hast ein Zusatzgeschäft. Ansonsten versuche mit einer Agenutr zusammen zu arbeiten. Denn Content ist das wichtigste einer webSite und der muss perfekt sein.
  16. Haben Sie ein Logo?
    Meistens wird die Antwort “Ja” sein. Aber oft liegt es nicht im geeigneten Format vor und Du kannst es überarbeiten. Manchmal nimmt der Kunde es auch zum Anlass, ein neues Logo erstellen zu lassen. Falls Du die Ausbildung und das Wissen dazu hast, kannst Du ein Zusatzgeschäft lukrieren.
  17. Soll eCommerce eingesetzt werden?
    Seit Jahren ist eCommerce in aller Munde und jeder denkt mal schnell einen onLine-Shop in’s Netz gestellt. Aber so einfach ist es nicht. Du musst Deinen Kunden fragen ob er den gesamten Bestellprozess durchdacht hat und auf alle Abläufe vorbereitet ist. Falls nicht kannst Du ihm begleiten und im Tipps geben um die Hürde “eCommerce” erfolgreich zu meistern.
  18. Wenn eCommerce eingesetzt werden soll, wie ist die Zahlung durch den Kunden geplant?
    Manche denken, dass das Anbieten von Nachnahme als Zahlungsmöglichkeit für den Anfang reicht. Die Akzeptanz von Kredikarten, Überweisungen und Lastschrifteinzug ist heute aber Standard. Besonders die Akzeptanz von Kreditkarten kann einigen Aufwand bedeuten. Du musst dem Kunden mehrere Möglichkeiten anbieten um langsam und mit geringen Kosten zu starten, aber trotzdem zukunftssicher zu bleiben. Auch ist die Zielgruppe wichtig, denn je nach Benutzer kann sich auch die Marke der eingesetzten Kreditkarte verändern.
  19. Wieviel Zeit können Sie für die Reaktion auf Anfragen durch die webSite erübrigen, einmal pro Tag, mehrere Stunden?
    Gerade dieser Prozess ist im Unternehmen sehr wichtig. Hast Du jemals ein Anfrageformular bei einer großen Firma ausgefüllt und wartest heute noch auf die Antwort? Genau das willst Du eigentlich nicht. Die meisten Kunden denken, dass es kein Aufwand ist die webSite zu betreiben. Dies stimmt aber ganz und gar nicht. Erfolgreiche webSites sind ein Marketing- und Kommunikationsinstrument und erzeugen damit auch Arbeit. Arbeit ist hier nicht negativ gemeint, sondern die Kommunikation mit den Kunden verbraucht einfach Arbeitszeit und sie muss perfekt und geplant sein. Daher ist es wichtig, dass Du deinem Kunden bewusst machst, dass er dafür Arbeitszeit eines Mitarbeiters reservieren muss und das eine Antwort so schnell als möglich erfolgen soll. Die berühmten “24 Stunden” sind meist schon zu lang, sondern die Antwort auf eine Anfrage sollte bereits am selben Arbeitstag erfolgen.
  20. Wenn Sie eine Suchmaschine benutzen, welche Suchwörter würden sie verwenden um die eigene website zu finden?
    Die Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung kannst Du gut selbst erledigen. Nimm die fünf, sechs wichtigsten Suchbegriffe Deines Kunden und verwende sie für den Metag-Tag keywords. Für das Erreichen eines Top-Rankings verweise Deinen Kunden ruhig an einen SEO-Spezialisten. Damit zeigst Du Kompetenz und steckst auch den Bereich ab den Du beherrscht.
  21. Es gibt nicht nur Suchmaschinen, welche anderen Mittel wollen Sie einsetzen um ihre webSite bekannt zu machen?
    Früher reichte es eine webSite zu haben, um ins Gespräch zu kommen. Heute ist das bei weitem nicht mehr ausreichend. Die webSite muss heute perfekt in den Marketingplan integriert werden. Daher ist es auch wichtig eine Strategie zu haben, um die neue oder neugestaltete bekannt zu machen. Falls Dein Kunde noch überhaupt keine Strategie hat, kannst Du ihm vielleicht Tipps dazu geben? Du kannst an verschiedene onLine Dienste wie Twitter oder ein Blog denken. Achte aber darauf dem Kunden gegenüber ehrlich zu sein. Es ist wichtig, dass er auch den Aufwand (Zeit und Geld) hinter diesen Aktionen (er)kennt.
  22. Sobald die webSite fertig ist, wie lange glauben Sie bis es eine spürbare Steigerung in Ihren Umsätzen gibt?
    Die Antwort zeigt Dir mehrere Ding über Deinen Kunden: Ist er ungeduldig und erwartet einen sofortigen Effekt oder hat er erkannt, dass Werbung etwas langfristiges ist und er auch geduldig sein muss. Auch zeigt er Dir, ob er die webSite nur als reines Zusatzfeature im Marketingmix sieht oder eine der Säulen des Werbekonzepts ist.
  23. Wie wollen Sie die Besucher der webSite zu Stammkunden machen?
    Wiederkehrende Besucher sind das Wichtigste für eine webSite. Sie sind treu und werden zu Kunden in der realen Welt. Aber eine in Stein gemeisselte webSite gibt den Anwendern keinen Grund wiederzukehren und sie auch zu empfehlen. Es kommen hier Module wie ein Blog, ein Forum, ein Download-Bereich, und, und, und.
  24. Wollen Sie den Inhalt der Seite selbst pflegen?
    Auch dies zielt am Rande auf die vorherige Frage ab. Wenn Dein Kunde die Site selbst mit Inhalten befüllen kann ist sie aktueller und authentischer. Dafür musst Du im aber ein CMS (Content Management System) anbieten und auch die Kompetenz vermittelns es zu bedienen.

weiterführende Links:

Es wurden 7 Kommentare zu diesem Beitrag geschrieben.

  • Stefan / intuitiv

    Hallo,

    ich arbeite bereits schon seit Jahren mit solch einem Fragebogen. Insbesondere bei Neukunden, die zum ersten Mal Kontakt mit dem Internet haben, ist dies sinnvoll. Aber auch bei Kunden, die Ihre Website ändern wollen, unterstützt einen der Fragebogen bei einem Kundengespräch, nichts Relevantes zu vergessen. Es ist immer peinlich, später noch einmal wegen ein paar Kleinigkeiten anzurufen.
    Meinen Bogen (neun A4-Seiten, pdf) gibt es zum kostenfreien Download unter: http://intuitiv.de/Arbeitspapier_Website.pdf

    Gruß,

    Stefan

  • Kai

    Haha… ich glaube, wenn ich jedem meiner Kunden eine solch lange List zukommen lassen wuerde, haette ich im Jahr vielleicht 2 neue Auftraege. Regel Nr 1: Kunden haben keine Zeit. 😉

  • ByteBros Autor

    @Kai: Regel Nr 2: Kunden wollen Qualität. Dies war auch nicht als “Formular” zum Ausfüllen gedacht. Sondern als Hilfe, als Gesprächsleitfaden für ein gemeinsames Gespräch zwischen Partnern. Und für so ein Gespäch hat der Kunde sicher Zeit. Denn “Ich brauche ein webSite!” ist sicher zuwenig um eine qualitativ hochwertige webSite, welche dem Kunden auch Nutzen bringt, zu erstellen.

  • Netoptimierer

    Hallo,

    einen Fragebogen habe ich anlässlich einer Zusammenarbeit mit einem Webdesinger in Hamburg als wirklich hilfreich erlebt, hier also ein weiteres Beispiel: http://www.holgerkoenemann.com/fragebogen.doc
    Das allerdings:
    “Nimm die fünf, sechs wichtigsten Suchbegriffe Deines Kunden und verwende sie für den Metag-Tag keywords.” als “Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung” zu bezeichnen geht allerdings gar nicht 😉

    Viele Grüße, Kai

  • ByteBros Autor

    @netoptimierer:
    Wie gesagt Grundlage des SEO. Als webDesigner ist man nicht unbedingt SEO-Profi (wobei ich hier so oder so eine eigene Meinung habe!), aber man kann zu mindest eine Basis für ein besseres Ranking legen und in der Folge ein Spezialist darauf aufsetzen.

  • green card

    Gibt es eine Eglish Version dieser Seite?

  • ByteBros Autor

    No there is no english version at the moment. I’m afraid.

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