Das Ende von Tageszeitungen naht? - Guru 2.0
Das Ende von Tageszeitungen naht?

Das Ende von Tageszeitungen naht?

Bei netzwertig habe ich einen Artikel von Marcel Weiss zum Thema “Nachrichten auf Papier: In 10 Jahren gibt es keine Tageszeitungen mehr” gefunden. Da ich immer wieder Diskussionen zu diesem Thema führe will ich euch den Artikel nicht vorenthalten.

Nochmal im Klartext: Das Ende von Print kommt nicht, wenn niemand mehr Nachrichten auf Papier lesen will oder wenn niemand mehr Werbung in Zeitungen schalten will. Es kommt eher: Nämlich, wenn so wenig Geld in die Printwerbung fließt, dass die Printerzeugnisse nicht mehr kostendeckend erstellt werden können.

Im deutschsprachigen Raum hat der Printsektor bis dato Glück gehabt, dass kein deutsches Pendant zu Craigslist aufgestiegen und die Kleinanzeigen-Einnahmen im Print durch das Anbieten einer effizienteren Alternative ruiniert hat. Das und eine generell unterentwickelte Social-Media-Landschaft hat dem deutschen Print eine Menge Zeit gekauft. Mehr aber nicht. Es ist nicht eine Frage ob, sondern wann die letzte Printausgabe einer Tageszeitung auch in Deutschland das Druckwerk verlassen wird. Einige Jahre später werden Wochenzeitungen und Magazine folgen.

Genau ist auch meine Meinung. Aber was bedeutet das für den Designer in der Ausbildung? Ich bin immer noch der Meinung, dass wir wenn wir heute Designer mit dem Schwerpunkt Print ausbilden, am Markt vorbei ausbilden. Natürlich es wird immer irgendwelche Printprodukte geben. Aber ich denke in etwa 20 Jahren wird das Printprodukt, ob Prospekt, Buch, Flyer oder Katalog, etwas exklusives und teueres sein. Denn die elektronischen Medien schreiten einfach immer schneller voran. Wenn man sich den Markt anschaut und es sich bewusst macht, bemerkt man das heute schon.

Manche Dinge sind sicher noch Nischenprodukte um den Print zu ersetzen, aber andere Produkte haben in den letzten Jahren unser Leben verändert. Ein Beispiel ist die digitale Kamera. Sie ist in vielen Haushalten vorhanden und die Bilder werden am TV, Computer oder digitalen Bilderrahmen betrachtet, es werden einfach viel weniger PrintOuts wie früher erstellt. Vor fünf Jahren hatte ich die Idee Anzeigen und Nachrichten elektronisch an Bushaltestellen mittels Bluetooth auf Mobiltelefone zu übertragen. Heute sind an fast jeder Haltestelle in Salzburg FlatScreens montiert, welche die Wartenden Schlagzeilen, Wetterinfos und Inserate übertragen (Leider nicht meine Idee). Die Plakate an den Wartehäuschen sind einfach verschwunden. Jeder kennt und sieht auch noch immer das klassische Plakat an jeder Straßenecke, aber immer mehr tauchen elektronische Plakate auf. Die Technologie dafür ist da und auch schon relativ kostengünstig einsetzbar. Warum sollte man doch noch Plakate drucken, wenn man sie elektronisch günstig und schnell unter das Volk bringen kann?

Auch Amazons Kindle oder Sonys eBook sind am Markt. Vielleicht klappt es diesemal mit der Marktdurchdringung dieses Gadgets. Ich hatte schon vor über 10 Jahren einen eBook-Reader von eRocket. Damals war das Teil noch unhandlich und auch das Design war kein Hammer und zusätzlich war die Auswahl an Büchern nicht umwerfend. Aber das System und die Technik waren irre. Man konnte seine Bibliothek mehr oder weniger überallhin mitnehmen und das bei einem Gewicht von knapp 600 Gramm. Heute schaut es so aus, als ob die Auswahl an Büchern vorhanden ist und die Geräte technisch und optisch ausgereift sind. Immer mehr Menschen werden auf diese Technik umsteigen. Denn alle die gerne lesen kennen das Platzproblem, wenn man viele gedruckte Bücher hat.

Natürlich lese ich auch noch immer die Tageszeitung. Aber wenn man ehrlich ist, die meisten Nachrichten hat man schon am Vorabend im RSS-Feed gehabt. Man liest noch ein paar regionale Infos und auch gut recherchierte Artikel und Hintergrundinfos. Und das wird auch nie verschwinden! Es wird immer gut recherchierte Informationen und Artikel geben. Auch die Kolumnen und Aufsätze werden weiter bestand haben. Aber bei allem wird sich halt das Medium verändern.

Was bedeutet das aber für den Designer? Klar der Prozess des Designs und des Layouts wird ähnlich oder gleich bleiben, aber es ist ein Unterschied für welches Medium gearbeitet wird. Im Print kann ich einfach andere Schriftgrößen und -arten einsetzen, genauso ist die Strichstärke und der Kontrast ein anderer, wie bei elektronischen Medien. Auch der Lesefluss unterscheidet sich bei Printmedien und Bildschirmen. Die Kosten der Produktion sind auch unterschiedlich und der Informationstransport ist auch nicht gleich. Daher ist es wichtig, dass auf all diese Dinge Rücksicht genommen wird. Wenn wir jetzt weiter Printdesigner ausbilden, werden diese in absehbarer Zukunft entweder Dinosaurier einer vergessenen Technologie sein oder alles wieder neu lernen müssen. Sie werden sicher nicht mit ihrem Wissen Erfolg haben können. Daher sollte man in der Ausbildung bereits jetzt daran denken, dass sich die Informationen der Zukunft nicht auf Papier festhalten lassen.

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Es wurden 4 Kommentare zu diesem Beitrag geschrieben.

  • JPanther

    Ich bin der Meinung das es Bücher noch sehr lange geben wird.
    Aber Tageszeitungen werden früher oder später vom Markt verschwinden.
    Meinen Kindern muss ich dann erzählen wie es früher mal war. Die werden mir dann sicherlich nicht glauben. =)

  • Netscout

    Bin ziemlich sicher, dass es auch noch in zehn Jahren gedruckte Tageszeitungen geben wird. Die Entwicklung im deutschsprachigen Raum und insbesondere in der Schweiz geht ziemlich langsam voran. Denke, dass gerade kleinere Unternehmen noch längere Zeit auf gedruckte Inserate setzen.

  • Achim

    Mittlerweile gehen doch auch in Deutschland reihenweise Zeitungen Magazine pleite. Wenn Zeitungen nur noch elektronisch erscheinen wird man sich auch nicht mehr komplette Zeitungen abonnieren sondern nur noch die Ressorts die einen wirklich abonnieren. Man liest doch von einer Print-Zeitung höchstens 30% einer Ausgabe.

  • Norman

    Na ja, vor 10 Jahren hat das einer der Geschäftsführer von ImmobileinScout auch schon mal gesagt. Heute kooperiert man mit denen. Es werden weniger, keine Frage. Aber Aussterben?

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