ACTA - Bin ich dafür oder bin ich dafür dagegen zu sein? - Guru 2.0
ACTA – Bin ich dafür oder bin ich dafür dagegen zu sein?

ACTA – Bin ich dafür oder bin ich dafür dagegen zu sein?

Auch ich bleibe nicht unberührt von dieser momentan landauf und landab geführten ACTA-Hysterie. Mal zum Anfang kann sich jeder einen kurzen Überblick bei Wikipedia [DE] verschaffen. Wer es noch genauer mag, wirft einen Blick auf die Webseite der Europäischen Kommission [EN]. Ganz aktuell stellt die Europäische Kommission auch eine pdf-Datei mit 10 Mythen zu ACTA zur Verfügung.

Natürlich sind alle Informationen von der einen oder der anderen Denkrichtung beeinflußt. Die Gegner werden ihren Standpunkt darstellen, die böse Industrie wird natürlich auf die Vereinbarung dringen und die EC wird wahrscheinlich von irgendwelchen Lobbyisten in eine Richtung gedrängt.

Aber sind wir nicht fähig selber nachzudenken? Doch!

Es ist uns allen klar, dass wir irgendeine Regelung brauchen, um mit den Rechten von geistigem Eigentum umzugehen. Unsere Wirtschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert. Die Industrie ist nicht mehr der Motor, sondern die Information. Aber was immer gleichgeblieben ist:

Der eine erzeugt etwas und der andere kauft es!

Das nennt man einfach Wirtschaft. Wie der Preis und die Nachfrage bestimmt bzw. geregelt werden, steht auf einem anderen Blatt. Gleichzeitig hat sich aber in den letzten Jahren die “Geiz-ist-Geil”-Mentalität verbreitet. Oder noch besser gesagt: Die meisten glauben, was irgendwo im Internet, Büchern, Zeitschriften oder wo auch immer elektronisch veröffentlicht wird darf jeder verwenden. Somit denken die meisten, im Web gehört alles allen. Das ist aber nicht so!

Nur weil es mit einem Klick zu kopieren ist, darf ich es trotzdem nicht! Denn ein Auto, eine Wurstsemmel oder den Kaugummi bezahlen wir ja auch!

Fazit: Entweder wir ändern unser Denken und erkennen Information (Fotos, Texte, Musik, Videos, Daten, …) als Wirtschaftsgut an und zahlen oder wir brauchen eine Rechtsgrundlage, welche es regelt.

Und die Anti-ACTA-Aktivisten sollten mal ganz schnell nachdenken! Denn was sie verlangen, will ich für mich nicht! Ich will keine Regelung, welche mein geistiges Eigentum freigibt. Von was soll ich dann leben?

Denn im Moment klingt es ja so, dass ACTA die Kreativität und Innovation  einschränken verhindern wird. Denn, wenn ich mir die Musik nicht mehr aus dem Web kopieren darf, kann ich auch keine neuen gesampelten Lieder erzeugen. Es behindert also die Kreativität. Aber für die neuen Songs wollen die Künstler dann schon wieder Geld haben, oder nicht? Auch jetzt ist es bereits verboten, dass zu machen! Denn nur weil es kopierbar ist, ist es nicht erlaubt. Auch jetzt verletze ich bereits die Rechte der anderen Kreativen.

Auch der Zugang zu Informationen ist auch heute nicht frei!

Erstens brauchen wir ein gewisses Bildungsniveau um mit den entsprechenden Infos umgehen zu können. Damit brauchen die Menschen das entsprechende Schulwesen und müssen es sich leisten können.
Liebe Aktivisten! Gerade heute steht mal wieder in der Zeitung, dass 1 Mio ÖsterreicherInnen armutsgefährdet sind! Das sind rund 12% der Bevölkerung. Glaubt ihr wirklich, dass sich von dieser Gruppe manche eine berufsbildenden Schule oder eine Ausbildung im Gymnasium leisten können? Klar ist die Schule gratis! Aber die Kosten, welche so nebenher anfallen, sind auch nicht zu verachten.
Zweitens auch jetzt kostet Information bereits Geld. Oder zahlt ihr keine GIS-Gebühren? Benutzt Ihr den Internetzugang vom Nachbarn? Den Computer hat euch ein netter Mensch geschenkt? Und die Zeitung und Bücher nehmmt ihr einfach aus dem Kiosk mit? Seht Ihr! Raus mit der Kohle!

Information ist nicht frei!

Und in demokratischen Staaten ist die Information so oder so (glücklicherweise) frei zugänglich. Und in den anderen Staaten wird ACTA dies nicht ändern. Apropos ACTA wird auch in den großen Kopierer-Staaten nichts bewirken, denn die werden sich nicht darum kümmern, oder es unterzeichnen!

Und wie sieht es mit dem Wissen aus, dass jetzt im Netz frei verfügbar ist und nach ACTA verschwindet, da es zu bezahlen ist? Ja bitte liebe Leute verhindert ACTA. Denn dann haben wir ein paar Avantgardisten zu Unrecht verteufelt und können sie zurück auf die politische Bühne holen. Denn der eine oder andere hat doch nur seine Dimplom- bzw. Doktorarbeit, wie ein gutes neues Musikstück, gesampelt. Sie haben nur Text aus dem Internet kopiert, nicht bezahlt und neu zusammengestellt. In akademischen Kreisen ist die Bezahlung halt die Erwähnung des Urhebers. Man nennt das: Richtig zitieren! Ich nenne es Respekt! Wir kopieren nichts, ohne den anderen zu fragen, zu nennen oder zu bezahlen. Denn jeder will sich etwas leisten können.

Bleibt nur mehr die böse, böse Unterhaltungsindustrie, welche mehr Geld scheffeln will! Ja bitte verhindert, dass Abkommen liebe Anti-ACTA-Aktivisten! Dann schreibe ich auch keine Bücher mehr (ist vielleicht auch besser, wer weiß es schon?), ich werde auch keine Fotos mehr posten und, und, und.
Ich bin ganz froh, dass mein Verlag Geld verdient. Wenn ich so auf die Abrechnungen schaue, sicherlich nicht viel mehr als ich. Aber dadurch kann ich Bücher schreiben. Denn nur wenn der Verlag Geld verdient, kann er die ganzen Leistungen (Druck, Lagerhaltung, Werbung, Support, Lekorat, Versand, Warenwirtschaft, …) für mich erbringen. Und ich alleine würde nie den Massenmarkt erreichen. Glaubt wirklich einer da draussen an das Märchen des auf YouTube endeckten Künstlers, welcher weltbekannt und reich (wie geht das, wenn die Industrie böse ist und er nichts mehr verrechnen darf) wurde? Die fünf oder sechs, welche so erfolgreich wurden, werden es mit und ohne ACTA schaffen. Aber alle anderen, werden die böse Unterhaltungsindustrie brauchen.

Ich für mich habe meine Entscheidung getroffen: Ich will nicht, dass irgendjemand bestimmt wie ich meine geistige Leistung zur Verfügung stellen muss. Und genau das machen die Anti-ACTA-Aktivisten. Ich müsste sie gratis für alle hergeben.

Ich will selber entscheiden, ob ich Geld für eine Leistung will oder ob ich sie verschenke!

Erst durch diese freie Entscheidung kommt jeder zu seinem Recht! Diejenigen welche alles gratis wollen, können auch alles verschenken. Und diejeniegen, welche Geld verdienen wollen können es auch. Am Ende werden wir sehen wer Recht hat. Aber eines ist glaube ich jetzt schon klar. Nur wenn jemand von seiner Arbeit leben kann, wird er sie auch machen. Und die Kreativen leben nun mal von geistiger Leistung und wenn die ihre Rechnungen nicht bezahlen können, werden sie eine andere Arbeit machen.

Ach ja, wir könnten die ganzen KünstlerInnen ja vom Staat (Wer ist der Staat? Sind das nicht wir alle? Würden dann die Steuern schon wieder höher?) bezahlen lassen! Ist auch ein interessanter Gedanke! Hatten wir auch in früheren Jahrhunderten schon! Nur: Wer zahlt, schafft an. Dann haben wir vielleicht noch weniger freie Kunst, als mit ACTA! Aber will nicht jeder von seiner Arbeit leben können und nicht einfach bezahlt werden, weil man KünstlerIn ist? Kratzt so eine Vorgehensweise nicht am Selbstbewusstsein? Aber wir hätten eine neue Bevölkerungsgruppe auf die wir schimpfen können: Denn die bringen ja nichts und kosten nur Geld.

Dann wäre ja – zumindest in Österreich – noch eine Lösung möglich. Alle KünstlerInnen werden LehrerInnen! Die haben ja eh soviel Freizeit und ein ordentliches Gehalt. Dann werden alle für ihre Leistung (unterrichten) entlohnt und können sich in der Freizeit der holden Kunst widmen und sie wieder kostenlos zur Verfügung stellen.

Ein Tipp am Rande!
Wer etwas der Allgemeinheit geben will, kann es unter der CreativeCommons-Lizenz machen!

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