StreetView – Ein weiterer Baustein der Datenkrake Google?
Gerade bin ich über den Post auf 343max gestolpert und ich will ihn euch nicht vorenthalten.
Eigentlich sagt er alles (also mal schnell lesen). Zur Ergänzung: Die montieren Laser sind für die nachträglich exakte Positionierung gedacht und nicht um nette rote Punkte auf Hauswände zu zeichnen.
So nun ist es soweit: Google muss öffentlich einen Fehler eingestehen.
Natürlich ist es nicht so schlimm, denn die Daten sind auch auf anderen Wegen leichter zu haben. Aber trotzdem ist es bezeichnend. Schaut euch mal diesen Artikel an.
Oder anders gefragt ist alles gut oder alles schlecht was von Google kommt?
Auch in Österreich ist die Diskussion über StreetView entbrannt, denn auch bei uns (Salzburg und Wien) sind seit Wochen die Autos von Google auf den Straßen unterwegs und fotografieren alles, was niet und nagelfest ist (und oft auch was sich bewegt).
Jetzt haben wir hier die eine Seite welche begeistert davon ist: Endlich ist es auch bei uns soweit und wir können bald in jeden Winkel eines Dorfes hineinschauen ohne hinfahren zu müssen.
Auf der anderen Seite stehen die Gegner: Es ist ein Eingriff in die Privatsphäre und eine Frechheit welche Daten und Bilder von jedem und jeder im Internet (eigentlich WWW) verfügbar sind.
Dazwischen steht ein ganz kleine Gruppe, welche sich kritische und konstruktive Gedanken dazu macht. Ich hoffe, dass ich zu dieser Gruppe gerechnet werde.
Natürlich bietet sich die Diskussion gerade für Parodien an, wie jene von der ZDF heute Show vom 12. März 2010:
Oder auch der kurze Post von Major Tom zum Auto von Google. Natürlich gibt es auch noch die eine oder andere englischsprachige Parodie auf YouTube. Natürlich sind diese Beiträge auf den ersten Blick mehr oder weniger lustig. Aber wenn wir hinter die Kulissen blicken und ein wenig nachdenken, sollten sie uns schon erschrecken. Denn wissen wir wo die ganze Datensammelwut enden wird? Denken wir nur an den die letzten 10 Jahre des letzten Jahrhunderts! Wie sind wir 1990 in die Dekade reingegangen und wo sind wir rausgekommen? Die Welt hat sich in diesen zehn Jahren nicht nur weitergedreht, sondern ist mit Lichtgeschwindigkeit rotiert. Ob es so oder so oder doch so kommen wird, liegt an uns. Nämlich was lassen wir ohne Widerspruch, ohne Diskussion zu. Also bleiben wir kritisch und sind nicht zu begeistert bei jeder Neuerung!
Natürlich werden die Datenschützer aktiv und malen den Teufel an die Wand. Das Recht auf das persönliche Abbild wird verletzt und es muss Möglichkeiten geben die Daten aus dem Netz zu löschen. Das sollten wir aber nicht als Einzelperson regeln, sondern es politisch lösen. Wie der generelle Streit in Deutschland, der auf politischen Ebene gelöst wurde, wie das Manager Magazin berichtet.
Streit um Google Street View beigelegt
Der Streit um mangelnden Datenschutz bei dem neuen Google-Online-Dienst “Street View” in Deutschland ist beigelegt. Google wird den Umgang mit Aufnahmen von Personen nach dem Filmen von Straßenzügen verändern – zum Beispiel werden Aufnahmen von Personen, die zeitig Widerspruch einlegen, unkenntlich gemacht.
via Manager Magazin
In Österreich sieht das Rechtssystem (§54 UrhG bei i4j.at) aber ein wenig anders aus wie in Deutschland und auch Frankreich hat eine andere Rechtsgrundlage. Beispielsweise hat Frankreich die vielbeschworene Panoramafreiheit nicht gesetzlich verankert und sich sogar am 14. 12. 2005 gegen diese EU-Richtlinie entschieden [FR]. Bei uns gibt es ein klar definiertes Gesetz, welches die Fotografie im öffentlichen Raum und die Veröffentlichung der Bilder regelt. Ich traue mir keine Entscheidung zu ob die Aktion von Google verboten oder erlaubt ist. Aber ich habe mir eine Meinung güt mich selbst dazu gebildet:
Google Street View ist prinzipiell eine guter Dienst. Gerade für jene Städte, welche man nicht innerhalb von 10 Minuten erreicht, kann man sich einen Überblick verschaffen. Man erhält einen Eindruck und kann auch die eine oder andere Planung präziser durchführen. (Ist mir bei einer Reise auch schon passiert, dass ich wissen musste wie man zu einem Hotel ohne Navi findet.)
Nehmen wir das Beispiel rechts: Wo ist hier das Problem? Hat sich der Eiffelturm beschwert, dass sein Persönlichkeitsrecht verletzt wurde? Fahre ich jetzt nicht nach Paris um das Bauwerk zu besichtigen? Was hat Google durch dieses Bild verdient und die Stadt Paris an Einkommen verloren? Ich sehe einfach kein Problem bei diesen Bildern! Besonders da hier auch noch die “Wisdom of Crowds” zu tragen kommt und Benutzerbilder im oberen Bereich angezeigt werden.
Ausserdem ist dieses Bild in StreetView schon uralt! Den der Ost-Pfeiler wird seit mehr als 18 Monaten renoviert und sieht momentan komplett anders aus, als hier dargestellt.
Natürlich habe wir auch hier (nicht beim Eiffelturm, aber bei privaten Häusern) die Diskussion über die bösen Einbrecher, welche die Häuser ausspähen und Ihre Einbruchstour planen. Klar ist das möglich. Aber brauchen die uralte Daten dafür? Denn bis die “bösen” Bilder online sind, vergeht mindestens ein halbes Jahr und was kann man dann aus den Bildern herauslesen? Ja es gibt Fenster, Türen, einen Garten und Fassaden. Maximal lässt sich noch feststellen, ob die Lokation Möglichkeiten zum ruhigen Arbeiten in der Nacht oder Dämmerung bietet. Ob es sich um ein lohnendes Objekt handelt, werden die organisierten Banden schon ohne Google wissen. Denn auch die Einwohner einer Stadt kennen die “guten” und “schlechten” Viertel, warum nicht die Gruppen welche einen Einbruch planen! Und der Gelegenheitskriminelle wird sich so oder so von der Situation leiten lassen und nicht gerade über Google seine Tour planen. Wie sieht es jetzt mit den Fluchtwegen aus? Klar kann man die auskundschaften, aber bei 6 Monate alten Fotos, kann sich einiges verändert haben. Eine einzige Baustelle kann die ganze Situation verändern.
Natürlich gibt es einige Bilder, welche besser nicht die ganze Welt sieht, wie man auf Salzburg24 sehen kann. Manche Bilder sind einfach nur witzig und entbehren nicht einer gewissen Situationskomik, wie man rechts sieht (ich hoffe die Taube hat überlebt
. Andere sind einfach nur gestellt, wie der berühmte Samuraikampf (Welcher bereits wieder aus StreetView entfernt wurde).
Natürlich gibt es auch noch die Diskussion über weitere Daten, welche die Autos aufzeichnen (WLan AccessPoints werden mitgescannt). Hier habe ich auch meine Probleme. Eigentlich sollte Google nicht schlecht sein. Ihr Leitspruch ist ja “Don’t be evil!“. Daher sollten sie auch öffentlich machen, welche Daten (egal ob Bilder, Texte, Funkwellen, oder was auch immer) aufgezeichnet werden und warum. Denn hier gehen wir schon in einen ziemlich persönlichen Bereich hinein. Und bei uns in Europa gibt es halt so etwas wie die informationelle Selbstbestimmung. Und das ist auch gut so und sollte auch von einer großen Firma beachtet werden. Nicht nur weil es gesetzlich verankert ist, sondern weil es eine Frage der Ethik ist und die steckt ja Googles Leitspruch auch drinnen, oder nicht?
Aber ein paar Bilder, welche so gut wie anonymisiert sind, stellen meiner Meinung nach kein Problem dar. Auch hier klappt der Automatismus des Unkenntlich machen nicht immer. Aber was ist schon fehlerfrei? Klar für den Einzelnen kann es unangenehm sein, aber im Großen und Ganzen funktioniert es und bietet auch einen Mehrwert für die Allgemeinheit. Aber der Algorithmus wird von Google sicher noch verbessert und zu 99,9% fehlerfrei arbeiten. Einfach ein Auftrag an Google: Motiviert die Programmierer und werdet hier besser!
Aber die gesamte Diskussion der Datenschützer ist meiner Meinung nach ein Sturm im Wasserglas. Denn diese (offizielle) Datensammlung von Google (also nur die Bilder) ist eine Kinderei gegenüber anderen Datenbeständen, welche still und heimlich angelegt werden. Ich will gar nicht wissen, welche Daten bei einer Zahlung mit einer Kredit-, Maestrokarte wo hin übertragen werden.
Als Fazit denke ich, dass die Aktion des Schockwellenreiters einen gewissen Reiz hat. Ich denke noch darüber nach, aber vielleicht mache auch ich mit und stelle das eine oder andere Foto (mit GeoTagging under CreativeCommons-Lizenz) zur Verfügung. Auch auf die Gefahr (oder das Glück) hin, dass ich von einem großen Medium durch den Kakao gezogen werde. Und bei StreetView wird es weiter so sein, dass ich es benutzen werde, aber darauf achte, was ich publiziere und sehe!
P.S.: Auch ich habe “böse” Bilder veröffentlicht, nur nicht so schön in einer Datenbank zusammengefasst. Vielleicht schaut ihr mal rein und gebt mir einen Kommentar zu den Bildern oder auch zu diesem Post.
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Es existieren drei Antworten zu diesem Post
schrieb am 26. 6. 2010 um etwa 15 Uhr:heute 14 autos der flotte auf einem salzburger parkplatz entdeckt. detailfotos: http://www.webmarketingblog.at/2010/06/26/google-streetview-autos-salzburg-gefunden-detailfotos/
schrieb am 27. 6. 2010 um etwa 18 Uhr:Stellt sich nur die Frage ob und wann sie wieder fahren werden.
schrieb am 27. 6. 2010 um etwa 23 Uhr:Die ganze Diskussion ist übertrieben. Vor Google hatte norc.at schon sämtliche Straßen Wiens als StreetView online gestellt und keinem ist's aufgefallen. Von mir aus sollen sie auch tausende Kilometer eintönige Autobahnen und Landstraßen fotografieren (z.B. in England und Frankreich). Gesichter werden unkenntlich gemacht, ebenso Kennzeichen. Aber irgendwo sollte auch Schluss sein. Nämlich dann wenn man mit Hilfe von Google Bereiche einsehen kann die man sonst als normaler Autofahrer nicht sehen würde. (-> blickdichte Gärten, private Hinterhöfe usw.) Außerdem kann ich mir nicht vorstellen dass Google die Daten über einen längeren Zeitraum hinweg aktuell halten kann. Zumindest nicht für Städte unter 100.000 Einwohner.